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Über den Containerhafen und den Irrtum
des grenzenlosen Wachstums
11|11|2009



Trotz schlechtester Prognosen baut man am MegaMörderContainerHafenProjekt weiter, der vielleicht irgendwann doch noch einmal gebraucht wird. Gehorcht man den Lobbyisten inzwischen bis in den Kollektivtod?

Peu a peu [Stück für Stück] kommt die Wahrheit ins Licht: Eurogate will nicht mehr.
Erst heißt es in der WZ, Eurogate prüfe lediglich, ob der Bau des Hafens in Wilhelmshaven sich nicht um ein paar kleine drei Monate hinausschieben lasse.

Die Redakteure der WZ beeilen sich aber gleich in dem Untertitel der Unterschrift: Aber es wird natürlich weitergebaut [WZ vom 30.10.: „Hafenbau geht ungebremst weiter“].

Was ist die Aufgabe eines Journalisten?

Normalerweise: Möglichst viele Informationen zu sammeln [recherchieren], um dem Leser einer Zeitung eine möglichst breite – und neutrale – Informationsbasis zur eigenen Meinungsbildung zur Verfügung zu stellen.

Ein Urteil soll sich jeder Leser selbst bilden.

Hier stellt sich die WZ aber einseitig auf die Seite des Betreibers und gleichzeitig der Politiker in Wilhelmshaven, die den Jade [Weser] Port durchgesetzt haben. Und zwar in – finde ich – peinlichem vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem „großen Geld“, das ja wie aus einem Füllhorn über alle Wilhelmshavener – irgendwann – ausgeschüttet werden wird, wenn der Containerhafen Milliardengewinne abwirft und dabei ein paar Krümel Gewerbesteuer übrig bleiben. 

[Um einem Mißverständnis vorzubeugen: Es ist einer Zeitung schon erlaubt, „Meinungen“, d.h. persönliche Werturteile, abzugeben. Allerdings empfiehlt sich dafür die journalistische Form des „Kommentars“, der als solcher mit Nennung des vollen Namen des Autors von der übrigen „Berichterstattung“ layoutmäßig abgegrenzt wird.]

Mit welchen Argumenten wurde der Containerhafen vor ein paar Jahren öffentlich propagiert?

„Arbeitsplätze“. „Wirtschaftswachstum für die ganze Region“. „Gewerbesteuereinnahmen für die Stadt Wilhelmshaven“.

Realität 2009:

Arbeitsplätze sind weggefallen oder in Voslapp infolge der Evakuierung des Campingplatzes und dem Verlust des Geniusstrandes bedroht. Arbeitskräfte für die Aufspülung des Geländes: Eingeflogen und untergebracht im Containerdorf auf dem Gelände des ehemaligen Campingplatzes. Die als erste eilig abgerissenen Badehäuschen dort könnte man jetzt gut gebrauchen [für die Baggerfahrer – die großen, weil die kleinen wird es in Zukunft dort nicht mehr geben].

Die Zugkraft der Stadt Wilhelmshaven als Tourismusmotor für die Region hat abgenommen.

Ein Wirtschaftsfaktor der Stadt ist also bereits massiv geschädigt, ohne daß sicher ist, ob je ein Containerschiff kommt. Gewaltige Wertverluste sind die Folge für Voslapper Grundstückseigentümer.

Was würden unsere Stadtoberen und Planungshelden dazu jetzt sagen, wenn sie sich dazu überhaupt befragen ließen?

„Konnte man nicht vorhersehen.“ -  „Das wird schon wieder.“ - „Eurogate ist bloß abgesprungen, weil ein paar ständige Miesmacher und Weltverbesserer in dieser Stadt unser Image beschädigen.“


Was für eine Psychologie steckt aber hinter diesen ganzen Vorgängen? Und auch in der Bevölkerung, die nicht in Scharen sich an Protestaktionen oder auch nur Informationsveranstaltungen beteiligt hat?

Es ist die inzwischen allgemein weit verbreitete Vorstellung, man könne alle wirtschaftlichen [und auch anderen] Probleme des gesellschaftlichen [und auch privaten] Lebens durch eine weitere Steigerung der Produktion unserer Volkswirtschaft in den Griff bekommen. 

Sobald in Deutschland in der öffentlichen, oder auch inzwischen in der privaten, Diskussion die Begriffe „Arbeitsplätze“ oder „Wirtschaft“ fallen, reagieren sämtliche Diskussionsteilnehmer ab da wie hypnotisiert: Bloß jetzt nichts gegen die Ziele sagen, die mit den genannten Begriffen verknüpft worden sind. Dann landet man sofort in der Defensive, „man wolle wohl in die Steinzeit zurück“, „wovon wollen denn Sie und Ihre Kinder leben?“ usw. Eine geordnete Abwägung der tatsächlichen Vor- und Nachteile einer Angelegenheit ist, sobald diese beiden Begriffe gefallen sind, nicht mehr möglich.

Das Sachthema ist ab da „contaminated“ [engl.: verseucht].

 
Wie weit sind denn unsere Möglichkeiten, durch immer neues Wachstum unsere Probleme zu lösen? Können wir unsere Wohlstandsbeschleunigung ständig weiter in die Zukunft hinein projizieren? Oder gibt es da irgendwann eine Grenze?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach – und sogar unwiderlegbar: 

Die Erde ist rund, auch wenn der Blick in den Horizont psychologisch einen andere Vermutung nahelegt. Also vom Platz her beschränkt. Von den klimatischen Bedingungen auch in gewissem Rahmen, aus dem man ohne Existenzverlust nicht hinaus kann.

Und die Ressourcen, die notwendige Bedingung für weiteres Wirtschaftswachstum nach dem bisherigen Strickmuster des industriellen Zeitalters sind? Die sind endlich, egal, ob man jetzt der Meinung ist, daß das Öl nun x oder y Jahre noch reicht. Und auch das Uran ist endlich.

Es gibt kein Perpetuum mobile, was bei RWE oder EON gerade entwickelt wird oder schon in der Schublade versteckt ist.

Irgendwann ist also Schluß mit: „Unser diesjähriges Bruttosozialprodukt wächst mal wieder um 1,x %.“


Die einzige Frage, die offen ist: Wann kommt der Garaus, wo kein Öl mehr zum Heizen, geschweige denn In-der-Gegend-herum Autofahren da ist. [Und zur Produktion von Joghurtbechern und Kosmetikartikeln auch nicht.]

Wären wir Menschen rational kalkulierende, planende Wesen, müssten wir angesichts der jetzigen Informationslage bereits uns fragen, was wir in unseren Zielvorstellungen und in unserem Handeln bereits jetzt sofort verändern müssten.

Nicht erst 2050. Jetzt, 2009.

Ganz egal, welchem politischen Lager man angehört. Essen und warme Bude haben wollen glaube ich alle. Unterschiedslos. Stattdessen werden Formeln präsentiert, die zum Zeitpunkt der Zerstörung nach dem zweiten Weltkrieg absolut stimmig waren, daß man nämlich erst mal Häuser und Stromleitungen bauen muß, bevor man über philosophische oder Zukunftsfragen anderer Art nachdenken kann.

Das Wirtschaftswachstum der Bundesrepublik in den 50er und 60er Jahren war so nur möglich, weil vorher die Hälfte des Gemeinwesens weggebombt worden war. Es waren also erst einmal existentielle Lücken zu schließen. Dies ist aber heute, 2009, nicht mehr der Fall.

Wir ersticken inzwischen im Konsum.

Märkte mit Waren für Grundbedürfnisse sind weitestgehend gesättigt. Wir brauchen keinen Anzug mehr, um unsere Nackheit zu verbergen. Aber wir brauchen einen Anzug mit dem neuesten Mode-Label, weil „Kauf Lust erzeugt“.


Das ist eine andere Situation als 1945.

Trotzdem werden von Bundeskanzlerin Merkel und anderen der Geist der 50er Boom Jahre gerade jetzt wieder heraufbeschworen. Nur Retro?

Die ganze Situation läßt mich persönlich zum Schluß kommen, daß zumindest eine Mehrheit der Bundesbürger, und eine noch größere Mehrheit innerhalb unsere Eliten und Entscheidungsträger entweder die Hände vor den Augen verschließen, oder: sehr gewitzt sind, indem sie nämlich sagen, „na, mich erwischt's nimmer, da bin ich schon dout!“. Und: „Man kann eh' nichts mehr daran ändern, also will ich noch mal bis dahin wenigstens mein Leben ordentlich genießen.“

Das ist so die ganz normale Denklogik von uns Menschen. Scheinbar.

Die anfangs zitierte Unterzeile der Überschrift aus der WZ vom [30.10.] zeigt vor allem folgendes:

Wir, die Leistungsträger, und auch die Zuschauer, lassen uns immer noch gerne von Märchen begeistern. 

Märchen, die aber bald, schneller als wir erahnen mögen, zu Gruselmärchen mutieren können.

Die WZ hat hierzu einen heldenhaften Beitrag geleistet. Wir danken ihr dafür.

Ihre Heidi Berg

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