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Bild: Ludger Abeln
   

Knittlingen


Während die Verantwortlichen das 138jährige Kanalnetz favorisieren
und somit die Einleitungen in den Jadebusen nicht stoppen sondern
nur vermindern, handelt die Gemeinde Knittlingen hochinnovativ
und bekommt dafür sogar Fördermittel!

Wir danken dem Frauenhofer Institut für die
kostenlose Frei
gabe des Materials:

Energie und Düngemittel aus Abwasser

Trinkwasser wird knapp und verschmutztes Wasser belastet
die Umwelt. Neue Wege gehen Wasser und Abwasser – zunächst
probeweise – im baden-württembergischen Knittlingen bei
Pforzheim:
Das Abwasser des Neubaugebiets »Am Römerweg«
wird zusammen
mit Küchenabfällen semi-dezentral
mit fortschrittlicher Anaerobtechnik
gereinigt und
gleichzeitig Biogas und Dünger als Wertstoffe
gewonnen.

Das Regenwasser des 100 Wohngrundstücke um-
fassenden Gebiets wird gesammelt, mit modernster
Filtertechnik aufbereitet und den Bewohnern als
Pflegewasser in Trinkwasserqualität zur Verfügung
gestellt. Nach Abschluss der zweijährigen Bauarbeiten
für die neuartige Wasserinfrastruktur nimmt Staats-
sekretär Prof. Dr. Frieder Meyer-Krahmer, BMBF, die
vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bio-
verfahrenstechnik IGB in Stuttgart entwickelte Anlage
am Donnerstag, den 12. Oktober 2006, offiziell in
Betrieb.



Im Wasserhaus münden die Wege des Wassers. Hier sind
Regenwasseraufbereitung, Vakuumstation und die
Abwasserreinigungsanlage untergebracht.


Ein Neubaugebiet wie jedes andere: Unkrautbewachsenes Gelände,
hier ein Haus, dort ein Haus, eine frisch asphaltierte Straße. Doch
»Am Römerweg« in Knittlingen springt nach zwei Jahren etwas
anderer Tiefbauarbeiten ein ansprechender zweistöckiger, würfel-
förmiger Holzbau ins Auge: Es ist das »Wasserhaus«, in dem alle
unterirdischen Wasserwege zusammenfließen. Das Wasserhaus ist
Betriebsgebäude für Regenwasseraufbereitung, Abwasservakuum-
station und eine nachhaltige anaerobe Abwasserreinigung, bei der
die Inhaltsstoffe des Abwassers nahezu vollständig verwertet werden.
Unter Federführung des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Grenz-
flächen- und Bioverfahrenstechnik IGB wird hier eine neue Art der
Wasserwirtschaft erprobt, um die Umwelt zu schonen und gleichzeitig
Kosten zu sparen. Das Vorhaben wird unter dem Namen DEUS 21
[Dezentrales urbanes Infrastruktursystem] vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung [BMBF] gefördert und mit dem Fraunhofer-
Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, und
dem ISA der RWTH Aachen als Forschungspartnern sowie neun
Industriepartnern realisiert.


Die Poren der rotierenden Scheibenfilter zur Regenwasseraufbereitung
halten Bakterien und Viren zurück.


Die effektivste Art, Ressourcen zu schonen, ist sie einzusparen.
Zusätzlich zur klassischen Trinkwasserleitung aus dem örtlichen
Wasserwerk führt in Knittlingen eine separate Ringleitung auf-
bereitetes Regenwasser aus dem »Wasserhaus« in die Haushalte.
Das Regenwasser der gesamten Wohnsiedlung wird über eigene
Regenwasserkanäle zentral in 300 Kubikmeter fassenden unter-
irdischen Regenwasserzisternen gesammelt. Im Wasserhaus wird
das Regenwasser aufbereitet mit Rotationsscheibenfiltern, die am
Fraunhofer IGB entwickelt wurden. »Die feinen Poren der
keramischen Membranfilterscheiben sind im Mittel 0,06 Mikrometer
groß – kleiner als Bakterien und Viren. Das gefilterte Regenwasser
ist somit keimfrei und erreicht die Bewohner als Pflegewasser, das
die Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllt« erläutert
Prof. Walter Trösch vom Fraunhofer IGB. Es kann zum Waschen
und Duschen, zum Geschirrspülen, für die Toilettenspülung oder
zur Gartenbewässerung genutzt werden. Regenwasser ist bekanntlich
besonders weich: Entkalkungsmittel für Spül- und Waschmaschine
werden überflüssig, ebenso Weichspüler für die Wäsche.


In der unterirdischen, nun nicht mehr zu sehenden, Regenwasserzisterne
wird das Regenwasser des gesamten Wohngebiets gesammelt.


Das Abwasser der bisher 20 Häuser [fertiggestellt
oder im Bau]
wird nicht in das örtliche Abwassernetz
geleitet, sondern komplett mit
dem im Haushalt
anfallenden Biomüll über eine Vakuumkanalisation

einer modernen Abwasserreinigungsanlage zugeführt.


Das Abwasser der Wohnhäuser wird über Vakuumleitungen
in die Vakuumstation im Wasserhaus geleitet.


Die Haushalte haben so die Möglichkeit, noch einmal spürbar Wasser
zu sparen, wenn sie anstatt der herkömmlichen Wasserspülklos
Vakuumtoiletten installieren, die nur ein Zehntel des Wassers
verbrauchen. Sie sind schon weit verbreitet in Skandinavien oder
Japan. Das restliche Abwasser wird vor jedem Haus konventionell
in einen Schacht eingeleitet, der für den Übergang zur Vakuum-
kanalisation sorgt. Die Vakuumleitungen sind ein Vielfaches dünner
als übliche Abwasserleitungen, dadurch kostengünstiger und
ressourcenschonend und münden in die zentrale Vakuumstation
im Wasserhaus.

Über einen durchmischten Vorlagebehälter wird hieraus die derzeit
für 50 Einwohner ausgelegte, problemlos erweiterbare biologische
Abwasserreinigungsanlage mit integrierter Mikrofiltration gefüttert:
Diese besteht aus einem etwa 2,5 Kubikmeter fassenden Bioreaktor
mit einer nachgeschalteten Membranfilterstufe aus zwei Rotations-
scheibenfiltern. »Wir betreiben den Bioreaktor anaerob, das heißt
unter Ausschluss von Luftsauerstoff und bei hiesigen niedrigen
Temperaturen. Das ist eine Weltneuheit, denn herkömmliche
Kläranlagen nutzen aerobe Biologie für die Endreinigung des
Abwassers« sagt Trösch. »Anaerobe Mikroorganismen bilden
weniger Biomasse als aerobe und produzieren Biogas, ein Gemisch
aus Methan und Kohlendioxid. So entsteht praktisch kein Schlamm
aber Biogas als regenerativer Energieträger, der die Anlage kosten-
sparend mit Strom und Wärme versorgt« hebt Trösch die Vorzüge
des neuen Verfahrens hervor. Überschussstrom kann in das Ver-
sorgungsnetz eingespeist werden. Das entstehende Biogas wird
gleichzeitig zur Durchmischung des Bioreaktors verwendet. Die
anaerobe Betriebsführung bei niedrigen Temperaturen hat gegenüber
aeroben Verfahren zudem den Vorteil, dass Energiekosten für die
Belüftung entfallen.


Im Bioreaktor wird das Abwasser anaerob gereinigt
und Biogas gewonnen.


Der Filter zieht nicht nur gereinigtes Wasser ab, sondern sorgt auch
dafür, dass die Bakterien im Reaktor zurückgehalten werden und sich
vermehren, so dass der Abbau weiter verbessert wird.

Das gereinigte Abwasser, das als Filtrat die Membranfilterstufe des
Bioreaktors verlässt, hat eine hohe Ablaufqualität, das heißt einen
niedrigen CSB [chemischer Sauerstoffbedarf], weil es kaum organische
Kohlenstoffverbindungen mehr enthält. »Was es noch enthält sind
Phosphat und Ammoniumstickstoff – Nährstoffe, die wir als wertvolle
Düngemittel aufbereiten« sagt Trösch. Phosphat wird als Magnesium-
Ammonium-Phosphat gefällt, Ammonium aus dem Regenerat einer
Ionenaustauschersäule per Luftstrippung zurückgewonnen. Nachdem
nahezu alle Inhaltsstoffe aus dem Abwasser verwertet wurden, ist das
verbleibende Abwasser auch hygienisch unbedenklich: Es erfüllt Bade-
gewässerqualität und kann direkt in einen Fluss eingeleitet, versickert
oder zur Bewässerung genutzt werden.


Die dem Bioreaktor nachgeschalteten Rotationsscheibenfilter halten
die anaeroben Bakterien im Reaktor zurück und filtern das hier
gereinigte Abwasser.


In den kommenden zwei Jahren soll die Anlage für den Betrieb in der
Praxis optimiert werden. Das Konzept kann auch für regenarme Regionen
angepasst werden. Dann eignet es sich für viele Schwellen- und Entwick-
lungsländer, denen Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine angemessene
Abwasserentsorgung oft noch fehlen. Damit eröffnen sich Exportchancen
für die beteiligten Industriepartner Bellmer, Eisenmann, EnBW, Festo,
Gemü, GEP, Kerafol, Prov und Roediger.


Ihre Ansprechpartner in Sachen Knittlingen:

Fraunhofer-Institut für Grenzflächen-
und Bioverfahrenstechnik IGB
Nobelstraße 12, 70569 Stuttgart
Prof. Dr. Walter Trösch
Telefon: +49 (0) 7 11 / 9 70-42 20
Fax: +49 (0) 7 11 / 9 70-42 00
[Hier klicken: Frauenhofer Institut]

Stadt Knittlingen
Bürgermeister Heinz-Peter Hopp
Tel.: +49 (0) 70 43 / 3 73 - 12
Fax: +49 (0) 70 43 / 3 73 - 90
[hier klicken: Knittlingen]

...unten können Sie sich alle Informationen zum Thema Knittlingen
herunterladen!


Ihre Monika Giesche-Emmerich

Download Informationen zu Projekt Knittlingen:
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Wilhelmshavener Momente

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Die Darstelllung des "Trio Infernale Wilhelmshavens" sorgt für Aufregung.
Eine Menge Wilhelmshavener Bürgerinnen protestieren unter dem Motto "Planungswahnsinn am Banter See tut 5.000 Menschen weh" für den Erhalt des Banter Sees, so, wie er ist. Sie wehren sich gegen eine Wohnbebauung für "Priveligierte". Mehr dazu in einem Video ... [das Bild ist vom 15-07-2014] ... .... zum Video | youtube ...



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