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Er ist in unserer Welt zum Mörder geworden
12|03|2009



Das Bild des Tages und der Ort des Geschehens: Die Realschule in Winnenden [Bildquelle: Google Earth].

Unsere gut geölte Medienmaschine läuft auf Hochtouren. Direkt nach der Tat stellt der Focus einen Liveticker zum Amoklauf in das Netz. Man hat den Eindruck als ob Deutschland seinen Super-Amokläufer sucht – und nicht den Mörder von zehn Jugendlichen.

Hunderte Polizisten versetzen eine ansonsten verschlafene Kleinstadt in den Ausnahmezustand. Dutzende Journalisten berichten in reiner Hysterie über ein Ereignis, das die News des Tages sein wird. Da werden Gerüchte und noch ganz anderer Dreck der gierigen Öffentlichkeit zum Fraße vorgeworfen. Die ist wie berauscht – wenn auch vor Entsetzen.

Ich könnte kotzen.

Man braucht kein Prophet zu sein, um die Debatten der nächsten Tage zu prognostizieren. Jetzt werden sogenannte Amoklauf Experten Erklärungen anbieten, die nur ein Problem haben – rein gar nichts zu erklären. Man wird nach strengeren Waffengesetzen rufen. Man wird die Computerspiele als Jugendverderber beschreiben. Man wird für die Schulen Sozialpädagogen und Schulpsychologen verlangen – die dann aber nie eingestellt werden, weil der Staat bekanntlich kein Geld hat.

Besonders wird man in der Biographie des jugendlichen Mörders nach Gründen für die Tatsache suchen, dass ein Siebzehnjähriger auf die grausige Idee kommen kann, zum Massenmörder zu werden. Da wird nach der Liebe der Mutter zu ihrem durchgeknallten Sohn gefragt werden – als ob Lieblosigkeit einen zum Massenmörder werden lässt.

Den Eltern – und vor allem der Mutter, die sich jetzt die Augen ausheult – wird man ganz ohne Worte vorwerfen, diese Tat nicht verhindert zu haben. Den Jungen will man möglichst weit weg bekommen. Wir wollen ihn nicht als unseren Jungen betrachten. Die Debatten der nächsten Tage haben nämlich nur ein Ziel: Möglichst nichts aufzuklären, sondern alles in einer Mischung aus Betroffenheit, Entsetzen und schierem Unverständnis zu ertränken.


Wir alten Männer und Frauen in unserer Gesellschaft, die jetzt wieder das Debatten-Kommando übernehmen, wollen nur eins verhindern: Dass diese Tat etwas mit uns und unser Leben zu tun haben könnte. Dass der Junge genauso unser Sohn ist wie der der biologischen Eltern. Dass wir ihm das Leben vorgelebt haben, dass er jetzt mit einem Fanal brutal beendet hat. Wir hatten nicht den Finger mit am Abzug, keine Sorge. Dieser Vorwurf wäre absurd. Aber wir wollen weiterhin gut schlafen können - auch wenn ein Jugendlicher gerade in einem Provinznest zum Groß-Killer geworden ist.

In Wirklichkeit sehen wir in ihm wie in einen Spiegel. Dort erkennen wir in der Fratze seines Großverbrechens unsere eigenen Verhältnisse, die hier in brutalster Weise zum Tanzen gebracht worden sind. Jugendliche erkennen unsere Verlogenheit besser als wir denken. Was reden wir nicht gerne über Werte – von den Zehn Geboten bis zu modernen Dingen wie Solidarität. Davon ist jeden Tag die Rede.

Unsere Praxis ist eine andere. Es geht um Konkurrenz und Status, natürlich auch um Geld. Man muss schön sein und attraktiv. Jeder soll das Besondere sein.

Pech halt für den, dem es an Status, Attraktivität und Geld mangelt. Der nichts besonderes ist, sondern bloß ein Mensch. Davon wollen wir alten Männer und Frauen – die Eltern unserer Kinder – aber nichts wissen. Vor allem, wenn man noch das Privileg hat darüber in der öffentlichen Debatte reden zu dürfen. Damit ist man ja schon etwas besonderes – und hat nicht die Probleme von Jugendlichen, die mit ihrer Identitätsbildung kämpfen müssen.


Natürlich erklären solche Verhältnisse nicht, warum dieser Siebzehnjährige ausgerechnet heute so ein monströses Verbrechen begangen hat. Das läßt sich auch nicht erklären. Er hat in freiem Willen diese Entscheidung getroffen – und man kann davon ausgehen, dass er sie gut überlegt haben wird. Niemand wird einfach so zum Massenmörder. Er wird seine Vorgeschichte haben wie das bei solchen Tätern üblich ist.

Aber es wird nichts nützen, wenn wir jetzt wieder wie nach Erfurt oder Emsdetten in der Biografie der Täter nach den Ursachen suchen. Wir werden sie dort nicht finden.

Wahrscheinlich wird es jetzt hektische Debatten darüber geben, ob es keine Vorwarnsysteme für solche jugendlichen Zeitbomben geben kann. Wie wir die Jugendlichen präventiv besser kontrollieren bevor sie zum Mörder werden können. Wie wir ihre Gedanken positiv beeinflussen – etwa durch die Kontrolle des Internets.

Es wird nichts nützen.

Vielmehr müssen wir endlich den Kopf aus den Sand nehmen – und diesen Jungen als unseren Spiegel akzeptieren. Er ist einer von uns. Wir haben ihn zudem gemacht, der er geworden ist – ein Massenmörder. Das ist eine schmerzhafte Erkenntnis. Aber dieser Jugendliche stellt mit seiner Tat Fragen, die sich an uns richten. Sie betreffen nicht nur die Lebenswelt dieses einen Massenmörders, sondern aller Heranwachsenden.

Es ist unsere Welt, in der er zum Mörder geworden ist.


Update

Eines sei doch noch erwähnt. Was wir brauchen ist jetzt eine Kritik der instrumentellen Vernunft. Ein Kriminalpsychologe namens Jens Hoffmann hat “mit seinem Team ein System entwickelt, das bisherige Täterprofile ablöst und dabei helfen soll, potentielle Gewalttäter früher zu erkennen.” Er meint jeden bisherigen Amoklauf  frühzeitig erkannt zu haben. Allerdings nur wenn er denn vom potentielle Täter auch rechtzeitig die Antworten bekommen würde, die er für sein System braucht. Was macht er, wenn dieser bis zur Tat schweigt? Das macht nichts. Er hat einen Computer:

“Das vom Wissenschaftler Hoffmann entwickelte System zwinge, die richtigen Fragen zu stellen. “So kann man erkennen, ob es genügend Puzzlesteine für einen potentiellen Amoklauf gibt. Bei den Antworten selbst soll nicht interpretiert und analysiert werden - das übernimmt der Computer”, erklärt der Kriminalpsychologe.”

Es ist absurd. Dieser Kriminalpsychologe muss dem Kuriosiätenkabinett des Positivismus enstsprungen sein - wobei Positivisten ansonsten ernsthafte Menschen sind.

“Es stellt sich die Frage, warum dieses Erkennungssystem – trotz der offensichtlich recht hohen Erfolgsquote – noch nicht flächendeckend eingesetzt wird. Schließlich ist Deutschland nach den Vereinigten Staaten das Land mit den meisten Amokläufen in den vergangenen zehn Jahren.”

Ganz und gar nicht. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob dieses Land komplett den Verstand verloren hat, wenn solche Techniker damit beauftragt werden, unsere gesellschaftspolitischen Probleme zu lösen.

Quelle:
www.WEISSGARNIX.de
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