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Heißer Herbst 2010
11|11|2010



Wenn Atomlobby und Regierung einen unseriösen Vertrag schliessen, muss man einfach auf die Straße gehen.

400°C-heiß, hoch radioaktiv: der 12. Castortransport erreicht nach einer beispiellosen Protestaktion zeitverzögert das Zwischenlager bei Gorleben.

Fünfzigtausend und mehr Menschen protestierten dagegen in den vergangenen Tagen. So ernst der Anlass ist, machten die Bilder von den dichtgedrängten Menschen und dem Meer aus gelb-roten Fahnen dennoch froh, denn sie zeigen, wie sehr notwendiger Bürgerprotest in diesem Land noch Bestand hat. Der Protest gegen die Atompolitik hat viele Gesichter. Auch dieser Beitrag soll eines davon sein.

Nicht nur gegen den Castortransport richtet sich der Protest, sondern gleichzeitig gegen die Entscheidungen der Regierung, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern und einzig den Salzstock Gorleben der erneuten Prüfung zu unterziehen, was wahrscheinlich die Gutheißung der bisherigen Entscheidungen zum Ausbau des Bergwerks als Endlager bedeutet. Denn Untersuchungsergebnisse lassen sich schönen, wenn man ein wenig mit den Vorgaben jongliert.

Einlagerung des hoch radioaktiven Mülls in den Salzstock würde bedeuten, dass dieser Standort für mehr als eine Million Jahre Sicherheit gegen Austritte strahlender Substanzen in die Umwelt garantieren müsse. Selbst für geringere Zeiträume wäre eine solche Garantie unsinnig.

Dass das Wort Sicherheit in der Debatte um die Endlagerung hoch radioaktiven Mülls überhaupt makaber ist, begründet sich aus den gravierenden, seit mehr als 30 Jahren aktenkundigen Nachteilen des Salzstocks Gorleben:

- Anfänglich ging man davon aus, dass über dem nach oben aufgewölbten Salzstock mehrere hundert Meter mächtige Tonschichten [eine der Mindestvoraussetzungen für die Eignung des Salzstocks] lagern würden. Das ist jedoch so nicht der Fall. Das Deckgebirge wurde gravierend gestört von unten durch den vertikal aufsteigenden Salzstock und von oben durch eiszeitliche Abtragungen und Auffüllungen.

- Die Abdichtung nach oben ist nicht ausreichend, so dass von außen Wasser einfließen, der Salzstock absaufen und Radioaktivität ins Grundwasser gelangen kann.

- Im Kontakt mit den Einlagerungen wird das salzhaltige Grundwasser radioaktiv verunreinigt. Natürliche Grundwasserbewegungen, sowohl seitlich als auch vertikal vom Salzstock in Richtung Oberfläche, übertragen die radioaktive Verseuchung auf die Biosphäre.

- Bekanntlich kommt es bei Grundwasserkontakt auch zu Auslaugungen des Steinsalzes und zu Hohlraumbildungen, die das Deckgebirge zum Einsturz bringen und Einbuchtungen an der Erdoberfläche bewirken können. Beispiele gibt es in Norddeutschland.

- Indizien dafür, dass Steinsalz geologisch ungeeignet ist für ein langfristig stabiles und sicheres Endlager, liefern die Deckenabstürze, Ablaugungen und Grundwassereinbrüche in den bereits als Lager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall genutzten Bergwerken Asse II und Morsleben.

- Am Salzstock Gorleben wurden Gaseinschlüsse entdeckt, die möglicherweise auf Erdgasvorkommen in größerer Tiefe hinweisen. Daraus können sich weitere Gefahren für das Endlager ergeben [Explosionsgefahr, Einbrüche etc.].

- Zukünftige klimatische und/oder geologische Veränderungen können weitere Störfälle verursachen, vor allem kann das zerklüftete Deckgebirge über dem geplanten Endlager weiter geschädigt werden. Folgen wären Wasser- und Laugenzutritte und die Gefahr der Kontaminationen der zukünftigen Biosphären.

Die Zusammenstellung zeigt, dass nur auf Basis hydrogeologischer und geologischer Befunde Entscheidungen über Salzstöcke als Endlager gefällt werden dürften, wenn es den Entscheidungsträgern wirklich um Sicherheit vor radioaktiven Kontaminationen ginge. Dass das nicht zutrifft, zeigt unter anderem die Recherche der „Endlager-Saga“ durch Joachim Wille . Beim Votum für Gorleben in den siebziger Jahren ging es der niedersächsischen Regierung einzig und allein um strukturpolitische Gründe: Nähe zur damaligen Zonengrenze [Pendant zu Morsleben in der DDR], regionale Strukturschwäche, wirtschaftliche Armut, dünne Besiedlung. Allein diese Gründe bestimmten die Entscheidung des damaligen MP Albrecht für Gorleben.

Geowissenschaftlich begründete Vorbehalte wurden abgewehrt. In den achtziger Jahren wurden der Salzstock und sein Deckgebirge nach erneuter Untersuchung wiederum als risikoreich eingestuft. Wie unlängst von der FR offen gelegt, änderte die damalige Bundesregierung brisante Stellen des Gutachtens, um das Vorhaben dennoch durchzusetzen. Die unrühmliche Reihe setzt sich fort mit der Einlagerung von Atommüll in die Grube Morsleben trotz der Benennung von Sicherheitsdefiziten [lt. Spiegelbericht erklärte Angela Merkel, es gebe „kein Sicherheitsdefizit“], sowie in der Gegenwart mit dem Verhalten beim Asse II-Desaster.

Bis heute erleben wir Vertuschung, Manipulation und Lügen, obwohl alles darauf hinweist, dass zukünftige Endlager zu nuklearen Zeitbomben werden. Auch die Interviews maßgebender Politiker während der Gorleben-Protestaktionen sprechen Bände: Nirgends ein Verweis auf wissenschaftliche Erkenntnisse über unkontrollierbare Gefahren, u.a. durch Wassereinbrüche.

Wissen um Warnungen vor der Einlagerung der Hunderttausende Tonnen Atommüll in ein geologisch unsicheres Bergwerk blieb unausgesprochen.

Stattdessen wurde bekräftigt, dass man die erneute Prüfung Gorlebens als einzigem Standort um jeden Preis durchsetzen würde. Als einer der wichtigsten Gründe für diese Entscheidung wurde der bereits in die Milliarden gehende Kostenaufwand für das überdimensioniert errichtete Bergwerk untertage Gorleben genannt. Um ihren Willen durchzudrücken, halten die Verantwortlichen politische Gründe für ausreichend.

Über fehlende Akzeptanz muss man sich nicht wundern, wenn die Politik offengelegte Risiken abwiegelt, wissenschaftliche Fakten verschweigt oder vertuscht, wenn selbst die Kanzlerin, die als Physikerin einen Fundus zur eigenen Bewertung der Risiken haben müsste, keine wissenschaftliche Stellungnahme abgibt, sondern immer wieder betont, dass sie sich bei der Bewertung auf Fachberater in Ministerien und Bundesämtern verlasse.

Dr. Gisela Gerdes


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