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Diskussion über die Bedeutung von Hinterlandanbindungen und Alternativen bestehender Strukturen
05|06|2010



Auf dem interessant besetzten Podium wurde kontrovers diskutiert.

Unter dem Motto: "Auf der Schiene aus den Häfen durch Europa - Güterverkehrswachstum zukunftsgerecht und verträglich gestalten" hatten die Grünen aus dem Niedersächsischen Landtag nach Oldenburg eingeladen, um über das Thema Häfen und Hinterlandanbindungen zu diskutieren.

Sie präsentierten eine druckfrische Studie über Alternativen zur vorgeschlagenen und teils favorisierten Y-Trasse.

Enno Hagenah [MdL Bündnis 90/Die Grünen Landtagsfraktion Niedersachsen] führte in die Diskussion ein, sprach über Statististiken und Prognostiziertes und nicht zuletzt über die "wundersame Kostenexplosion" der Strecke Oldenburg - Wilhelmshaven, deren Umsetzung deutlich später als 2020 realisiert werden soll. Das Bundesverkehrsministerium hatte den Bahnausbau aus Kostengründen nach hinten verlagert und setzt andere Prioritäten.

Die Grünen stellten nun eine Alternative zur Y-Trasse zur Diskussion, die darauf fußt, bestehende Strecken zu ertüchtigen und umzubauen, um die prognostizierten Verkehre von den Häfen abführen zu können.

Der Ausbau sei allerdings nur dann sinnvoll, wenn das Güterverkehrsaufkommen auch kommt.

Prof. Dr. Thomas Siefer [Leiter Verkehrswesen/ Leibnitz Universität Hannover] erklärte, dass Deutschland Schnellfahrstrecken besitzt, aber kein Schnellfahrnetz. Das bedeutet viele Haltepunkte, anders, als in Frankreich, wo man Strecken von 750 Kilometer Länge ohne jeden Haltepunkt überbrückt.

Dr. Michael Ahrens [Oldenburgische Industrie- und Handelskammer] meinte, dass es nicht viel Sinn hätte, einfach Strecken zu bauen, wenn man nicht weiß, wieviele Container von den jeweiligen Häfen abgeführt werden müssen. Bestätigen sich allerdings die Prognosen der Gutachten, dann hätten wir ein Problem. Er plädiert deshalb für die Aufnahme von Planungen, denn die dauern mindestens 5 Jahre und so hätte man die Möglichkeit bei aufkommenden Verkehren zu reagieren und die Strecken zu bauen, bzw auszubauen.

Dr. Michael Sommer [Bauindustrieverband Niedersachsen] hob hervor, das "sein" Verband sich objektiven Kriterien widmet, und nicht parteipolitisch orientiert sondern unabhängig ist. So könne man alternativen Verkehrskonzepte aufzeigen, wie z. B. das nicht zu unterschätzende Potential der Binnenschiffahrt.

Dr. Anton Hofreiter [MdB - Sprecher für Verkehrspolitik - Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag] sprach über das chronisch unterfinanzierte Verkehrsministerium und das unkordinierte Ausgeben von Geldern. Das Ministerium hat den größte Etat und eigentlich kein Geldproblem, sondern ein Intelligenzproblem. Da werden parteilpolitische Projekte gestemmt um Wahlen zu gewinnen und daraus entstünden teilweise kuriose Ortsumgehungen mit eineinhalb Zügen pro Tag oder teure Prestigeobjekte wie "Stuttgart 21" und wichtige Knotenpunkte werden durch viel zu viele parteipolitisch geprägte Einzelprojekte vernachlässigt. Das Verkehrsministerium sei in seinen Augen regelmässig viel zu schwach besetzt. 

Ulrich Bischoping [Konzernbevollmächtigter der DB AG Niedersachsen | Bremen] sprach von einer Verdopplung der Tonnage in den Häfen Bremen/Bremehaven, Hamburg und Wilhelmshaven bis 2025. Das bedingt seiner Meinung nach eine Weiterplanung der Bahnprojekte, denn die Konsumorte liegen im Landesinnern und die Waren müssen dorthin transportiert werden. Er plädierte ebenfalls für Pläne, die bei Bedarf aus der Schublade geholt werden könnten. Zusammen mit seine Vorstellungen ergänzte er, dass man alles tun müßte, um die Auswirkungen des aufkommenden Bahnverkehrs so gering wie möglich zu halten.

Michail Stahlhut [Mitglied des Vorstandes der Osthannoverschen Eisenbahn AG] zeigte die Schwierigkeiten der privaten Bahnanbieter auf, die ca 4.000 Kilometer Eisenbahnnetz hauptsächlich mit Personenverkehr bewirtschaften und gerne im Geschäft des Güterverkehrs mitmischen würden. Sie plädieren dafür, Güter- und Personenverkehr weitestgehend zu trennen, was bedeutet, viele Gleise nebeneinander zu verlegen, damit sich die Vekehre nicht behindern.


Paul Beekmans regte an über bestehende Denk- und Wirtscftsstrukturen auch einmal grundsätzlich nachzudenken.

Paul Beekmans [Verkehrsberater der Fraktion Greens/EFA im Europaparlament] führte dann in die Realität zurück und erinnerte daran, das man sich zunächst einmal grundsätzlich über die Entwicklung der Hafenwirtschaft Gedanken machen sollte, denn die orientiert sich nicht an Interessen verschiedener Wirtschaftsverbände, die irgendwelche Gleise von A nach B verlegen wollen.

Hier greift der globale Wettbewerb und nicht etwa Wunschvorstellungen.

Bei einer Begehung seinerseits habe sich das erwartete Wachstum quasi von selbst entschärft, auch ohne Krise. 

Die Bauindustrie habe natürlich ein großes Interesse an Planungen und am Neubau von Strecken, aber auf den bestehenden Gleisen können Kapazitätssteigerungen von 20 - 30 Prozent erreicht werden, die man zunächst ins Auge fassen sollte. Die Entwicklung zeigt, dass die Häfen im Mittelmeeraum, größtenteils noch ohne Hinterlandanbindung, eine erhebliche Konkurrenz für die Norddeutschen Häfen darstellen, nicht nur das vielerwähnte Rotterdam, sondern auch maritime Wirtschaftsstandorte in Rumänien.

Es könnte passieren, dass mit dem weiteren unkoordinierten und unrealistischen Ausbau von Häfen "Kathedralen in der Wüste" entstünden. Die Häfen, die jetzt gebaut werden sind lange geplant und beinhalten keine langfristige Entwicklung einer global orientierten Wirtschaft mit ganz eigener Dynamik.

Seiner Meinung nach muß man Entscheidungen auch revidieren können.

Die Befürworter des Bahnausbau und der Schublädenpläne an diesem Abend beziehen sich immer wieder auf die Exportwirtschaft, die Grundlage unseres Wohlstandes sei. In deren Köpfen hat sich wenig bis gar nichts verändert, d. h. die Realität ist noch nicht ganz angekommen und so revidiert man eben nicht, sondern treibt zum Teil unsinnige Projekte parteipolitisch orientiert und mit Hilfe verschiedenster Lobbyverbände gegen jedwede Vernunft voran.

Bürger werden beim Lärmschutz erst dann mit "ins Boot" geholt, wenn sie massiven Widerstand leisten. Die konservativ wirtschaftlich orientierte Politik versucht sogar das Einspruchsrecht in Planfeststellungsverfahren noch weiter zu minimieren.

Das Verkehrsaufkommen auf der Schiene wird laut Dr. Anton Hofreiter langfristig weiter zunehmen, weil das politische Ziel der Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene unumgänglich sei, auch um CO2 und allgemein Energie einzusparen. Dieser Umstand birgt viel Konfkliktpotentiel zwischen Bürgern, politischem Willen und Wirtschaftsinteressen, aber auch unumgängliche Beeinträchtigungen in Sachen vorhandener Lebensqualität.

Allgemein hat der Abend gezeigt, dass man seitens der Wirtschaft wenig Bereitschaft zeigt Konzepte zu überdenken. Man hat so das Gefühl, es muß vorangehen, weiterplanen und -bauen um jeden Preis, oft ohne Sinn und Verstand.

Das verkehrspolitische Konzept, dass die Grünen an diesem Abend in den Raum stellten ist eine Art Kompromiss und würde bedeuten, dass man nicht ganz soviel Geld ausgeben müßte, um ans Ziel zu gelangen, weil man bestehende Strecken zunächst aus- oder umbaut, als Alternative zur Y-Trasse. Die vorgestellten Pläne zeigen, dass es auch ohne teure Neubaustrecken ginge.

Realistisch ist das Ganze nur dann, wenn sich das prognostizierte  Verkehrsaufkommen und die Verlagerung von der Straße auf die Schiene bestätigen, was viele Wirtschaftsfachleute bezweifeln, nicht nur die oft zu Unrecht viel gescholtenen Hafengegner.

Eigentlich müßte spätestens seit der Weltwirtschaftskrise ein Umdenkungsprozeß einsetzen. Leider werden wieder die alten Rezepte vom ewigen Wirtschaftswachstum aufgewärmt, unseriöse Arbeitsplatzversprechen machen die Runde und niemand scheint derzeit bereit, unsinnige Vorhaben auch einmal zu revidieren.

Die Krise hätte auch genutzt werden können, um generell einmal darüber nachzudenken, ob es sich langfristig wirklich lohnt seine T-Shirts aus China zu importieren und wie lange der Faktor Exportgeschäft die Wirtschaft noch bestimmen wird und kann.


In Zeiten von negativem Wachstum, wie es so schön verklausoliert wird, oder der Verlagerung von Warenströmen, stehen Häfen und Hinterlandverkehre still. Wenn wir nicht bereit sind umzudenken, werden Folge-Krisen durch diese Art von schmalspuriger Spezialisierung noch viel tiefere Löcher im Haushalt verursachen und den Arbeitsmarkt immer wieder in Mitleidenschaft ziehen.

Vielleicht wäre ein wenig weniger Wohlstand verbunden mit einem generellen Überdenken der vorhandenen Wirtschaftsstrukturen im Endeffekt einfach mehr.


Wolf-Dietrich Hufenbach
Dokumentarfilmer | Wilhelmshaven

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